Im Maximilianeum in München wurden auch in diesem Jahr wieder die besten W-Seminararbeiten Bayerns, die sich thematisch mit bayerischen Themen befassen und dabei qualitativ besonders überzeugen, mit dem Abiturpreis des Bayerischen Clubs ausgezeichnet. I. Landtagsvizepräsident Tobias Reiß überreichte die Preise im Rahmen einer Feierstunde im Lesesaal der bayerischen Volksvertretung – unter anderem an Katja Pangerl vom Dominicus-von-Linprun Gymnasium. Die Auswahl der Preisträger erfolgte gemeinsam durch den Bayerischen Club und das Bayerische Kultusministerium, unterstützt durch die Ministerialbeauftragten für die Gymnasien.

Katja Pangerls Arbeit „Kinder und ihr Zeitverständnis – Eine Untersuchung zu ‚Momo‘ von Michael Ende“ liegt ein sehr interessanter interdisziplinärer Ansatz (Literaturwissenschaft/ Soziologie/ Entwicklungspsychologie/ Kultursemiotik/ Didaktik, ergänzt um naturwissenschaftliche und empirische Untersuchungen zum Thema Zeit) zugrunde. Sie stellt junge Menschen in Bayern in den Mittelpunkt und rückt den in Garmisch-Partenkirchen geborenen Autor Michael Ende und sein bis heute – durch die aktuelle Verfilmung auch wieder neu – faszinierendes Kinderbuch „Momo oder die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“ in den Fokus. Dabei entdeckte und reflektierte sie vielfältige Inspirationen im Rahmen ihres Besuchs einer Ausstellung zu Ehren Michael Endes. Besonders lebendig wird die Thematik, wenn z. B. ein Kind aus der Vorschulgruppe des Kindergartens Blossersberg äußert: „Zeit is, wenn d’Mama sogt, dass i wo hi muas.“

Stephan Mayer, Präsident des Bayerischen Clubs, stellte in seinem Grußwort zur Eröffnung der Feierstunde heraus: „Die Verleihung des Abiturpreises ist jedes Jahr der Höhepunkt im Clubleben des Bayerischen Clubs. Es erfüllt uns mit Freude und Dankbarkeit, eine solche Veranstaltung hier im Nukleus der bayerischen Demokratie, im Bayerischen Landtag durchführen zu können. […] Ich bin jedes Jahr wieder erstaunt, welche Vielfalt, welches Engagement und welchen Fleiß die jungen Leute an den Tag legen.“ Ministerialdirigent Dr. Wolfgang Mutter, der als Vertreter des Kultusministeriums an der Feierstunde teilnahm, wandte sich an die acht Preisträgerinnen und Preisträger aus den verschiedenen Regierungsbezirken: „Mit Ihren Arbeiten tragen Sie dazu bei, dass wir unsere Heimat in all ihren Facetten noch besser verstehen. Sie können zurecht stolz auf das sein, was Sie geleistet haben!“

Die folgende Laudatio von Raphaela Loosen würdigt Katjas Arbeit in treffenden und wertschätzenden Worten:

„Sehr geehrte Frau Pangerl, sehr geehrte Festgäste,

wenn man eine Seminararbeit über Zeit schreibt, sollte man selbst genug davon investieren, um ihr gerecht zu werden. Katja Pangerl hat das getan. Das Resultat dieser Investition zeichnen wir heute als beste Seminararbeit des Regierungsbezirks Niederbayern aus.

Unter der Betreuung von Frau Oberstudienrätin Corinna Schürzinger hat Katja Pangerl am Dominicus-von-Linprun-Gymnasium Viechtach im Rahmen ihres W-Seminars im Fach Deutsch ein Thema bearbeitet, das auf den ersten Blick vertraut wirkt und sich bei genauerem Hinsehen als bemerkenswert klug gewählt entpuppt.

„Kinder und ihr Zeitverständnis – Eine Untersuchung zu ‚Momo‘ von Michael Ende“ – was diese Arbeit besonders macht, ist die ganzheitliche Sicht, die mehrere Zugänge miteinander verbindet: die literarische Analyse eines Kinderbuchklassikers, Erkenntnisse zur kognitiven Entwicklung und die ganz praktische Frage, wie man mit Kindern arbeitet und von ihnen lernt.

Frau Pangerl hat sich nicht mit dem Lesen und Interpretieren des Romans begnügt, sondern selbst geforscht:
Mit Kindern dreier Altersstufen – vom Kindergarten über die Grundschule bis zur Unterstufe des Gymnasiums – hat sie eigene Unterrichtseinheiten samt passgenauem Material gestaltet, durchgeführt und ausgewertet. Dabei findet sie anschauliche Beispiele dafür, wie der Zeitbegriff in der bayerischen Gesellschaft gelebt wird und lässt im praktischen Teil ihrer Arbeit die Kinder selbst zu Wort kommen. Gerade die Zitate im Dialekt machen dabei besonders greifbar, wie emotional Kinder Zeit empfinden. So konnte sie zeigen, wie sich das Zeitgefühl von Kindern wandelt: von einem Empfinden, das sich vor allem an Erlebnissen festmacht, über ein zunehmend geordnetes Verständnis, bis hin zu einem objektiven, messbaren Zeitbegriff.

Diese Feldarbeit hat Katja Pangerl mit einem fundierten theoretischen Rahmen unterfüttert und alles sorgfältig dokumentiert – mit einer Sorgfalt, wie man sie sonst kaum in einer Seminararbeit auf gymnasialem Niveau findet.

Diese klar strukturierte und sprachlich überzeugende Arbeit gehört verdientermaßen zu den besten W-Seminararbeiten Bayerns. Sie verbindet literaturwissenschaftliche Analyse und entwicklungspsychologische Theorie zu einer eigenständigen empirischen Untersuchung – zu einem Thema, das aktueller kaum sein könnte.

In einer Welt, in der schon Kinder oft unter Zeitdruck stehen, zeigt diese Arbeit eindrucksvoll, wie viel gute Kinderliteratur zu einem gesunden Umgang mit der eigenen Zeit beitragen kann.

Liebe Frau Pangerl, Momo hat die Gabe, anderen wirklich zuzuhören. Mit Ihrer Arbeit haben Sie bewiesen, dass Sie genau diese Gabe auch besitzen – im Umgang mit den Kindern, die Sie befragt haben, und im Umgang mit Ihrem Thema.

Ich hoffe sehr, dass Sie der Literatur und der Pädagogik verbunden bleiben!

Herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Leistung!“

Dem Wunsch der Laudatorin kommt die junge Studentin nach, denn die Beschäftigung mit dem gewählten Thema leistete auch einen Beitrag zur Findung des persönlichen beruflichen Weges:

Katja, du hast in den vergangenen Jahren das Schulleben so vielfältig und mit herausragendem Engagement mitgestaltet. Wir wünschen dir als Schulfamilie viel Erfolg und Freude bei deinem Studium für das Lehramt an Grundschulen in Passau und gratulieren dir von Herzen.

Corinna Schürzinger