Der Pfahlsage lauschen, selbst zum Künstler werden, mehr über heimische Pflanzen und geschützte Tierarten lernen oder abends in den Sternenhimmel schauen und dabei Gedichte vorgelesen bekommen – das und mehr bietet der neu eröffnete „Entdeckerpfad für Groß und Klein“ am Großen Pfahl. Entwickelt wurde er gemeinsam vom Naturpark Bayerischer Wald und dem Dominicus-von-Linprun-Gymnasium Viechtach.
An sieben Stationen lassen sich über QR-Codes facettenreiche Inhalte für Kinder und Erwachsene abrufen, die den bereits bestehenden Rundweg bereichern. Von Videos und Audiobeiträgen über Spiele und Quizfragen bis hin zu Rezepten eröffnen sich vielfältige Zugänge zu den Besonderheiten des Pfahls. Kunstvoll von Schülern gestaltete Schilder weisen zuverlässig den Weg. Die Kaulquappe neben dem QR-Code steht dabei für Beiträge, die speziell für Kinder aufbereitet sind, der Frosch markiert für Jugendliche und Erwachsene Aufbereitetes.
„Was man schätzt, das schützt man“, so fasst Matthias Rohrbacher, Leiter der Umweltstation, das große Ziel des Projekts zusammen. Eine Vision, die vor über einem Jahr in der Lehrerküche des Dominicus-von-Linprun-Gymnasiums entstanden ist, ist jetzt Realität geworden. Im Rückblick sei es unglaublich, was in dieser Zeit von so vielen Mitwirkenden gemeinsam geschaffen wurde, bemerken die Lehrkräfte Angela Winisch und Corinna Schürzinger, bei denen viele Fäden zusammengelaufen sind.
Konzeption des Weges, Auswahl der Stationen, Inhalt und Form der Beiträge, technische Umsetzung und künstlerische Gestaltung – all dies lag in der Hand von insgesamt weit über 100 Schülerinnen und Schülern aus allen Jahrgangsstufen, die am Projekt beteiligt waren.
Selbstwirksamkeitserfahrung zu ermöglichen und Lernen mit einem Netzwerk regionaler Partnerschaften, das die eigene Verantwortung stärkt, sind wichtige Gestaltungsprinzipien, die dem Gymnasium Viechtach insbesondere als Umweltschule in Europa wichtig sind. Der Lohn für die Mühe drückt sich bei diesem Projekt nicht in Noten aus, sondern in der wertvollen Erfahrung, dass jeder mit Ausdauer bleibende Ergebnisse schaffen kann, die anfangs unerreichbar schienen. Dies ist der beste und nachhaltigste Lernprozess, den man sich als Schule vorstellen kann, betont Schulleiter Martin Friedl.
Aus dem P-Seminar „Nachhaltigkeit“ berichteten Emelie Pangerl, Paula Angermann und Sophia Mader (Q12) über ihre Arbeit: „Wir hatten große Freiheit bei der Wahl unserer Themen und der Umsetzung, sodass wir richtig kreativ werden konnten.“ Zu ihrem Schwerpunkt „Fledermäuse“ entwickelten sie unter anderem verschiedene Spiele für Kinder, die man am Handy abrufen kann.
Für Aurelia Schürzinger, 6. Klasse, ist eine der schönsten Erinnerungen an das Projekt der Auftritt der Theatergruppe mit der Pfahlsage im Rahmen der literarischen Abendwanderung und des Schöpfungstages vor der beeindruckenden Naturkulisse.
Auch die Forscherklasse und der Bibliothekswahlkurs waren beteiligt; weitere Beiträge entstanden im Kunst-, Religions- und Biologieunterricht. Da wurde zum Beispiel die Blutwurz unter die Lupe genommen, die entzündungshemmend wirkt, Wundheilung fördert und aus der man auch Tee oder Likör selbst zubereiten kann.
Matthias Rohrbacher begleitete mit seinem Team das Projekt mit viel Engagement und Erfahrung und ist begeistert vom Ergebnis. „Auch unsere Guides von der Umweltstation können das Angebot gut für ihre Führungen nutzen“, ist er überzeugt.
Ein absoluter Hingucker ist die „Bank Himmelsgeflüster“, die zum gemeinsamen Verweilen einlädt. Den Blick über Viechtach oder in den Sternenhimmel ergänzen Gedichte, die der „lichtung“ Verlag für diesen besonderen Ort ausgewählt hat. Inspiriert wurde die Bank vom italienischen Street Artist Greg Goja, verrät Kunstlehrerin Miriam Jakel, die gemeinsam mit Katharina Kraus den künstlerischen Entstehungsprozess begleitet hat. Ein paar Meter weiter kann an der Station „landart“ jeder zum Künstler werden und mit Naturmaterialien sein eigenes Werk gestalten.
Wer lieber online in die Geschichte und die Besonderheiten der Natur eintauchen möchte, findet alle Beiträge auch auf der Homepage des Naturparks Bayerischer Wald: https://www.naturpark-bayer-wald.de. „Live ist es aber doch noch schöner“, ist sich Angela Winisch sicher.

Einig sind sich alle Beteiligten: Der Entdeckerpfad ist einen Besuch wert und hält nicht nur für Urlauber so manchen Schatz bereit.