Eine Reise durch faszinierende Landschaften, tiefgreifende Geschichte und lebendige Kulturen: Bereits zum achten Mal brach die 12. Klasse des Dominicus-von-Linprun-Gymnasiums Viechtach unter Leitung von Matthias Lehner zur traditionellen Studienfahrt nach Ungarn und Rumänien auf. Eine Woche lang erlebten die Schülerinnen und Schüler hautnah, wie eng europäische Geschichte, Architektur und das Zusammenleben verschiedener Völker miteinander verwoben sind.

Von den Boulevard-Meilen Pests zu den historischen Wurzeln in Buda

Der Auftakt der Exkursion führte die Gruppe nach Budapest. Zwischen der imperialen Kulisse des Burgviertels in Buda und den geschäftigen Straßen Pests bot die ungarische Hauptstadt den perfekten Einstieg. Ob beim Erklimmen der Fischerbastei mit Blick auf das imposante Parlamentsgebäude, beim Nachdenken am berührenden Mahnmal „Schuhe an der Donau“ oder beim Erkunden der Großen Markthalle – die Kontraste zwischen königlichem Glanz, bewegter Moderne und gelebter, manchmal polarisierender, Erinnerungskultur prägten die ersten Tage.

Multiethnische Vielfalt im Banat: Das „Kleine Wien“ Timișoara

Weiter ging die Reise Richtung Rumänien mit Ziel Timișoara (Temeschwar). Die Hauptstadt des Banats begeistert nicht nur mit ihrer barocken Pracht, sondern vor allem mit ihrer jahrhundertealten Tradition der Toleranz. Wo Rumänen, Deutsche, Ungarn, Serben, und Juden seit Generationen zusammenleb(t)en, spiegelt sich diese Vielfalt direkt im Stadtbild wider: Am Piața Unirii (Einheitsplatz) stehen sich der römisch-katholische Dom und die serbisch-orthodoxe Kathedrale in friedlicher Symmetrie gegenüber. Zugleich spürten die Schülerinnen und Schüler die jüngere Geschichte – gegenüber der neobyzantinischen Kathedrale auf dem Opernplatz (Piața Libertății) nahm im Dezember 1989 die rumänische Revolution ihren Anfang. Ein besonderes Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte schreibt zudem ihr Bürgermeister Dominic Fritz, der 2020 als deutscher Staatsbürger in das Amt gewählt wurde. Seine Wahl gilt als starkes Symbol für die ungebrochene europäische Offenheit und den Reformwillen der Banater Metropole. Mit seinem Einsatz für Transparenz, Kultur und modernisierte Stadtentwicklung führt er die jahrhundertealte Tradition der Vielfalt und des internationalen Austauschs dynamisch in die Zukunft.

Auf den Spuren der Siebenbürger Sachsen und historischer Identitäten

Über die sternförmige Festung Alba Iulia, einem Schlüsselort rumänischer und ungarischer Geschichte, führte der Weg weiter nach Siebenbürgen (Transsilvanien). In Hermannstadt (Sibiu) tauchten die Fünft- und Zwölftklässler tief in das Erbe der Siebenbürger Sachsen ein. Die berühmten „Augen von Hermannstadt“ – die charakteristischen Dachgauben der alten Kornspeicher – schienen das Treiben auf den Plätzen aufmerksam zu beobachten.

Ergänzt wurde das Programm durch Abstecher in die Umgebung: Die Wehrkirche in Heltau (Cisnădie) vermittelte mit ihren dicken Schutzmauern ein Gespür für das einst wehrhafte Leben der sächsischen Tuchmacher, während die salzhaltigen Seen in Ocna Sibiului eine physikalische und erfrischende Pause boten.

Grenzen austesten in den Südkarpaten: Gipfelsieg auf 2417 Metern

Ein physisches und landschaftliches Highlight wartete in den Südkarpaten: Ausgehend vom hochalpinen Bâlea-See (Bâlea Lac)brachen die Jugendlichen zu einer anspruchsvollen Bergwanderung im Făgăraș-Gebirge auf. Bei kühlen Temperaturen und vor der Kulisse eiszeitlicher Trogtäler schoben einige ihre persönlichen Grenzen ein Stück weiter nach oben: Der Aufstieg zum Iezerul Caprei (2417 m) belohnte die Wandergruppe mit spektakulären Ausblicken und einem unvergesslichen Naturerlebnis.

Ausklang und bebende Bässe: Karaoke im Imperial Pub

Dass der Bildungsanspruch einer solchen Exkursion Hand in Hand mit viel Spaß, Gemeinschaft und Freiräumen geht, zeigte sich nicht nur an den freien Nachmittagen zum eigenständigen Erkunden der Altstädte. Der krönende Abschlussabend fand im Imperial Pub in Hermannstadt statt: Bei der gemeinsamen Abschlussparty griffen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte trauten sich nicht, zum Mikrofon und ließen bei mitreißenden Karaoke-Einlagen das Pub buchstäblich beben.

Mit unzähligen Eindrücken, verfeinertem historischen Verständnis und gestärktem Gemeinschaftsgefühl kehrte die Reisegruppe schließlich nach Viechtach zurück – im Gepäck die Gewissheit, dass diese traditionsreiche Studienfahrt auch im achten Anlauf ein voller Erfolg war.

Matthias Lehner