„Es muss soweit kommen, dass Ausmerzung dringend notwendig ist“ – so heißt es im Jahresbericht von 1934 des heutigen Bezirksklinikums Mainkofen. „Ausmerzen – was heißt das eigentlich?“ Diese Frage führt die Gruppe der Individuellen Lernzeitverkürzung (ILV 9) mitten in die Zeit des Nationalsozialismus mit seiner euphemistischen Sprache, die so viele Verbrechen verschleierte.
Im Archiv des Klinikums dürfen die Schüler originale Akten öffnen und anhand von wervollen Zeitdokumenten die Lebenswege und Schicksale von Menschen aus ihrer Heimat kennenlernen. Ziel ist es, eine szenische Collage zu entwickeln, die bei der Gedenkfeier für die Opfer der Euthanasie im Januar 2027 zur Aufführung im Klinikum Mainkofen kommen soll. Begleitet werden sie dabei von Kerstin Troiber und Bettina Wensauer.
Die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Euthanasie‑Mordprogramms, dem in Mainkofen über 1300 Menschen zum Opfer fielen, begann erst spät. 2014 wurde dank des großen Engagements Einzelner eine Gedenkstätte eröffnet. Seitdem informiert das Klinikum aktiv mit Führungen und Veranstaltungen über die Geschichte des Ortes und hält das Gedenken an die Opfer der NS‑Psychiatrie wach.
Bettina Wensauer

